Meldebestand berechnen

Der Meldebestand ist die Schwelle, ab der Sie nachbestellen müssen, damit die Ware rechtzeitig ankommt und Sie nicht in einen Fehlbestand rutschen.

Die Formel

Meldebestand = (täglicher Verbrauch × Lieferzeit in Tagen) + Sicherheitsbestand. Der erste Teil deckt den Verbrauch während der Lieferzeit, der Sicherheitsbestand puffert Schwankungen.

  • Täglicher Verbrauch (Durchschnitt)
  • Wiederbeschaffungszeit / Lieferzeit in Tagen
  • Sicherheitsbestand (Puffer)
  • Meldebestand = Verbrauch × Lieferzeit + Puffer

Rechenbeispiel

Verbrauch 20 Stück/Tag, Lieferzeit 10 Tage, Sicherheitsbestand 50 Stück: 20 × 10 + 50 = 250 Stück. Fällt der Bestand auf 250, wird nachbestellt.

Sicherheitsbestand bestimmen

Der Sicherheitsbestand deckt zwei Unsicherheiten ab: schwankenden Verbrauch und schwankende Lieferzeit. Eine einfache, praxistaugliche Näherung ist der Puffer über die Wiederbeschaffungszeit: (maximaler Tagesverbrauch − durchschnittlicher Tagesverbrauch) × Wiederbeschaffungszeit. Wer es genauer braucht, rechnet über die Standardabweichung des Verbrauchs und einen Servicegrad-Faktor – für 95 Prozent Servicegrad etwa 1,65 Standardabweichungen. Wichtig ist vor allem, den Sicherheitsbestand überhaupt zu haben: ohne ihn ist jede Lieferverzögerung ein Fehlbestand.

  • Einfach: (max. Tagesverbrauch − ⌀ Tagesverbrauch) × Wiederbeschaffungszeit
  • Genauer: Servicegrad-Faktor × Standardabweichung × √Wiederbeschaffungszeit
  • Servicegrad 95 % entspricht Faktor 1,65

Wiederbeschaffungszeit vollständig ansetzen

Die Wiederbeschaffungszeit ist nicht die Lieferzeit des Lieferanten. Sie beginnt, wenn der Bedarf erkannt wird, und endet, wenn die Ware verfügbar ist – inklusive interner Bestellfreigabe, Transport, Wareneingang und Qualitätsprüfung. In der Praxis liegen zwischen genannter Lieferzeit und tatsächlicher Wiederbeschaffungszeit häufig mehrere Tage. Messen Sie sie an eigenen Daten, statt die Zusage des Lieferanten zu übernehmen.

  • Interne Bedarfserkennung und Freigabe
  • + Lieferzeit des Lieferanten
  • + Transport, Wareneingang, Prüfung
  • = Wiederbeschaffungszeit

Beispielrechnung

Durchschnittlicher Tagesverbrauch 40 Stück, maximaler Tagesverbrauch 65 Stück, Wiederbeschaffungszeit 12 Tage. Verbrauch während der Wiederbeschaffung: 40 × 12 = 480 Stück. Sicherheitsbestand: (65 − 40) × 12 = 300 Stück. Meldebestand: 480 + 300 = 780 Stück. Sinkt der verfügbare Bestand auf 780, wird bestellt. Ohne Sicherheitsbestand läge der Meldepunkt bei 480 – und bei einem Verbrauchsanstieg oder zwei Tagen Lieferverzug wäre das Lager leer.

  • Verbrauch in der Wiederbeschaffungszeit: 480 Stück
  • Sicherheitsbestand: 300 Stück
  • Meldebestand: 780 Stück

Meldebestand regelmäßig nachziehen

Ein Meldebestand ist keine Konstante. Er hängt am Verbrauch und an der Lieferzeit – beide ändern sich. Ein saisonaler Artikel braucht im Hochsommer einen anderen Meldepunkt als im Winter, und ein Lieferant mit verschlechterter Termintreue erhöht den Bedarf an Sicherheitsbestand. Prüfen Sie die Werte deshalb mindestens quartalsweise nach, besser rollierend über die letzten drei Monate. Ein Meldebestand aus dem Vorjahr ist die häufigste Ursache für Fehlbestände trotz vorhandener Disposition.

Typische Fehler

Diese Punkte führen dazu, dass die Disposition trotz gepflegter Zahlen nicht funktioniert.

  • Nur die Lieferzeit statt der vollen Wiederbeschaffungszeit ansetzen
  • Ohne Sicherheitsbestand rechnen
  • Meldebestand gegen den physischen statt den verfügbaren Bestand prüfen
  • Saisonale Verbrauchsschwankungen ignorieren
  • Werte einmal setzen und nie wieder überprüfen

In Excel umsetzen

Je Artikel eine Zeile mit durchschnittlichem und maximalem Tagesverbrauch, Wiederbeschaffungszeit und verfügbarem Bestand. Sicherheitsbestand, Meldebestand und ein Bestellkennzeichen entstehen als Formelspalten – das Kennzeichen als Vergleich von verfügbarem Bestand und Meldebestand. Servicegrad-Faktor und Standard-Wiederbeschaffungszeit gehören auf ein Annahmen-Blatt. Eine gefilterte Übersicht der zu bestellenden Artikel macht aus der Liste eine konkrete Handlungsliste für den Einkauf.

  • Sicherheitsbestand und Meldebestand als Formeln
  • Bestellkennzeichen per Vergleich mit dem verfügbaren Bestand
  • Annahmen-Blatt für Servicegrad und Standardlieferzeit
  • Ampel und Bestellvorschlagsliste als Auswertung

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