Aktueller Bestand über Bewegungen
Aktueller Bestand = Anfangsbestand + Zugänge − Abgänge. Wer Bewegungen bucht, muss den Bestand nie schätzen – er ergibt sich automatisch.
- Anfangsbestand
- + Zugänge (Einkäufe, Rückläufer)
- − Abgänge (Verkäufe, Verbrauch)
- = aktueller Bestand
Durchschnitt und Wert
Durchschnittlicher Lagerbestand = (Anfangsbestand + Endbestand) ÷ 2. Bestandswert = Menge × Einstandspreis. Aus dem Durchschnitt und dem Verbrauch lässt sich die Reichweite ableiten.
Durchschnittsbestand und Bestandswert
Für Kennzahlen brauchen Sie nicht den Momentanbestand, sondern den Durchschnittsbestand: (Anfangsbestand + Endbestand) ÷ 2, oder genauer der Mittelwert der Monatsendbestände. Der Bestandswert ergibt sich daraus mit dem Einstandspreis – also Einkaufspreis plus Bezugskosten, nicht dem Verkaufspreis. Ein mit Verkaufspreisen bewertetes Lager überzeichnet das gebundene Kapital erheblich und macht jede Vergleichszahl unbrauchbar.
- Durchschnittsbestand = Mittelwert der Monatsendbestände
- Bestandswert = Menge × Einstandspreis
- Einstandspreis = Einkaufspreis + Bezugskosten − Rabatte
Umschlagshäufigkeit und Lagerdauer
Zwei Kennzahlen machen aus einem Bestand eine Aussage. Die Umschlagshäufigkeit sagt, wie oft sich das Lager im Jahr erneuert: Jahresverbrauch ÷ Durchschnittsbestand. Die durchschnittliche Lagerdauer folgt daraus: 365 ÷ Umschlagshäufigkeit. Ein Artikel mit Umschlag 2 liegt im Schnitt ein halbes Jahr im Regal – das ist gebundenes Geld und Risiko. Rechnen Sie beides je Artikel, nicht nur für das Gesamtlager: der Gesamtwert versteckt genau die Ladenhüter, die Sie finden wollen.
- Umschlagshäufigkeit = Jahresverbrauch ÷ Durchschnittsbestand
- Lagerdauer in Tagen = 365 ÷ Umschlagshäufigkeit
- Immer je Artikel rechnen, nicht nur in Summe
Verfügbarer Bestand statt Lagerbestand
Für die Disposition zählt nicht, was im Regal liegt, sondern was noch frei verfügbar ist: physischer Bestand minus reservierte Mengen plus bereits bestellte Zugänge. Wer nur den physischen Bestand betrachtet, bestellt zu spät, weil die Reservierungen fehlen, oder doppelt, weil offene Bestellungen unsichtbar sind. Führen Sie diese drei Größen als eigene Spalten und den verfügbaren Bestand als Formel.
- Physischer Bestand
- − reservierte oder zugeteilte Mengen
- + offene Bestellungen (Zugänge)
- = verfügbarer Bestand – die Zahl für die Disposition
Beispielrechnung
Ein Artikel hat einen Anfangsbestand von 400 und einen Endbestand von 260 Stück, Jahresverbrauch 3.960 Stück, Einstandspreis 14,50 Euro. Durchschnittsbestand: 330 Stück, Bestandswert 4.785 Euro. Umschlagshäufigkeit: 3.960 ÷ 330 = 12, Lagerdauer also rund 30 Tage. Physisch liegen aktuell 260 Stück, 90 sind reserviert, 150 sind bestellt – verfügbar sind also 320 Stück. Ein Blick nur auf die 260 hätte eine unnötige Eilbestellung ausgelöst.
- Durchschnittsbestand 330 Stück, Wert 4.785 Euro
- Umschlag 12, Lagerdauer rund 30 Tage
- Verfügbarer Bestand 320 statt 260 Stück
Typische Fehler
Diese Fehler machen Bestandskennzahlen wertlos oder führen direkt zu falschen Bestellungen.
- Lager mit Verkaufspreisen statt Einstandspreisen bewerten
- Momentanbestand statt Durchschnittsbestand für Kennzahlen nutzen
- Reservierungen und offene Bestellungen nicht berücksichtigen
- Umschlag nur für das Gesamtlager rechnen und Ladenhüter übersehen
- Bezugskosten im Einstandspreis weglassen
In Excel umsetzen
Je Artikel eine Zeile mit physischem Bestand, Reservierung, offener Bestellung, Jahresverbrauch und Einstandspreis als Eingabe. Verfügbarer Bestand, Bestandswert, Umschlagshäufigkeit und Lagerdauer entstehen als Formelspalten. Eine Auswertung sortiert nach Bestandswert und nach Lagerdauer – die Artikel oben in der zweiten Liste sind Ihre Kapitalbinder. Preise gehören in ein Stammdaten-Blatt, aus dem die Bestandsliste sie nachschlägt.
- Stammdaten-Blatt mit Einstandspreisen je Artikel
- Verfügbarer Bestand, Wert, Umschlag und Lagerdauer als Formeln
- Sortierung nach Lagerdauer zeigt Ladenhüter
- Ampel bei Lagerdauer über einer festgelegten Grenze