Maschinenauslastung berechnen

Die Auslastung zeigt, wie stark eine Maschine im Verhältnis zu ihrer verfügbaren Zeit genutzt wird. Sie ist die zentrale Kennzahl, um Engpässe und Reserven zu erkennen.

Die Formel

Auslastung = genutzte Zeit ÷ verfügbare Zeit. Die genutzte Zeit ist die tatsächliche Produktionszeit (inkl. Rüsten), die verfügbare Zeit ergibt sich aus Schichten, Stunden und Arbeitstagen abzüglich geplanter Stillstände.

  • Genutzte Zeit: Produktions- und Rüstzeit
  • Verfügbare Zeit: Schichten × Stunden × Arbeitstage
  • Auslastung in Prozent = genutzt ÷ verfügbar × 100
  • Über 100 % = Überlast (mehr geplant als möglich)

Rechenbeispiel

Eine Maschine läuft geplant 320 Stunden im Monat (2 Schichten × 8 h × 20 Tage). Tatsächlich genutzt werden 272 Stunden. Auslastung = 272 ÷ 320 = 85 %. Die restlichen 15 % sind Reserve für Schwankungen und Wartung.

Auslastung im Alltag steuern

Eine einzelne Zahl reicht nicht – Sie brauchen die Auslastung je Maschine und Woche im Blick, um Aufträge zu verschieben oder Kapazität aufzubauen. Genau das leistet eine Kapazitäts- bzw. Belegungsplanung.

Welche Bezugsgröße Sie wählen, entscheidet das Ergebnis

Auslastung ist ein Bruch, und der Nenner ist Verhandlungssache. Bezogen auf die Kalenderzeit (24 Stunden × 7 Tage) sieht jede Anlage schlecht aus. Bezogen auf die geplante Betriebszeit – also das tatsächliche Schichtmodell – erhalten Sie die Zahl, die für die Steuerung zählt. Nennen Sie die Bezugsgröße immer mit, sonst diskutieren zwei Personen über dieselbe Anlage mit Werten von 40 und 95 Prozent. Für interne Steuerung ist die Betriebszeit richtig, für Investitionsentscheidungen die Kalenderzeit.

  • Bezug Betriebszeit: Laufzeit ÷ geplante Betriebszeit – für die Steuerung
  • Bezug Kalenderzeit: Laufzeit ÷ 168 Wochenstunden – für Investitionsfragen
  • Bezugsgröße immer angeben, sonst sind Zahlen unvergleichbar

OEE: Verfügbarkeit, Leistung, Qualität

Reine Auslastung sagt nur, dass die Maschine lief – nicht, wie gut. Die Gesamtanlageneffektivität (OEE) multipliziert drei Faktoren: Verfügbarkeit (lief sie überhaupt?), Leistungsgrad (lief sie im Takt?) und Qualitätsrate (war das Ergebnis brauchbar?). OEE = Verfügbarkeit × Leistungsgrad × Qualitätsrate. Weil multipliziert wird, wirken kleine Einbrüche stark: 90 % × 90 % × 95 % ergibt nur 77 %. Genau das macht OEE nützlich – sie zeigt Verluste, die in der Auslastung unsichtbar bleiben.

  • Verfügbarkeit = Laufzeit ÷ geplante Betriebszeit
  • Leistungsgrad = Ist-Ausstoß ÷ möglicher Ausstoß in der Laufzeit
  • Qualitätsrate = Gutmenge ÷ Gesamtmenge
  • Werte um 60–70 % sind typisch, über 85 % gilt als sehr gut

Vollständige Beispielrechnung

Geplante Betriebszeit 320 Stunden im Monat. Ungeplante Stillstände 26 Stunden, Rüsten 18 Stunden – Laufzeit also 276 Stunden. Verfügbarkeit: 276 ÷ 320 = 86 %. In den 276 Stunden wären bei Taktzeit 12 Sekunden 82.800 Teile möglich, produziert wurden 71.000 – Leistungsgrad 86 %. Davon 2.100 Teile Ausschuss, Qualitätsrate also 97 %. OEE: 0,86 × 0,86 × 0,97 = 72 %. Die Auslastung von 86 Prozent klingt gut; die OEE zeigt, dass ein Viertel des Potenzials verloren geht – vor allem im Leistungsgrad.

  • Verfügbarkeit 86 %, Leistungsgrad 86 %, Qualitätsrate 97 %
  • OEE 72 % – deutlich unter der reinen Auslastung
  • Größter Hebel hier: Taktzeitverluste, nicht Stillstände

Typische Fehler

Auslastungszahlen sind besonders anfällig für unsaubere Definitionen – und eine falsch gerechnete Auslastung führt zu Investitionen an der falschen Stelle.

  • Bezugsgröße nicht nennen, dadurch unvergleichbare Werte
  • Rüstzeit als Laufzeit zählen, obwohl nichts Verkaufbares entsteht
  • Auslastung über alle Maschinen mitteln und so den Engpass verstecken
  • Werte über 100 % ausweisen, statt die Bezugsgröße zu korrigieren
  • Nur Auslastung messen und Leistungsgrad sowie Qualität ignorieren

In Excel umsetzen

Je Maschine und Monat eine Zeile mit den Eingaben Betriebszeit, Stillstand, Rüstzeit, Ausstoß und Ausschuss – Verfügbarkeit, Leistungsgrad, Qualitätsrate, OEE und Auslastung entstehen daraus als Formelspalten. Taktzeit und Schichtmodell gehören auf ein Annahmen-Blatt. Eine Ampel auf der OEE und ein Verlaufsdiagramm über die Monate zeigen, ob eine Verbesserung hält oder nur ein guter Monat war.

  • Eingabe: Betriebszeit, Stillstand, Rüstzeit, Ausstoß, Ausschuss
  • Berechnet: Verfügbarkeit, Leistungsgrad, Qualitätsrate, OEE
  • Annahmen-Blatt für Taktzeiten je Produkt
  • Verlaufsdiagramm je Maschine über die Monate

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